Kreative Schulhofgestaltung – Schüler brauchen Bewegung!

30. Januar 2019

Bei Erinnerungen an den Pausenhof denken viele an graue Betonwüsten mit maroden Sitzgelegenheiten – das erinnert eher an Gefängnis, als an Erholung. Diese Art von Schulhofgestaltung ist ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der die Pause lediglich als Unterbrechung des auslaugenden Unterrichts dienen sollte. Bis 1981 forderte eine DIN-Norm bundesweit befestigte Flächen auf dem Schulhof, worauf fleißig asphaltiert und gepflastert wurden. Erst in den 70ern und 80ern begann ein Umdenken und dementsprechend eine neue Art der Schulhofgestaltung. Diese sollte sinnvoll und zusätzlich kreativ sein und zudem als Spiel-, Erfahrungs- und Erlebnisraum dienen – nicht als bloße Möglichkeit mal Luft zu schnappen. Heutzutage muss ein Schulhof attraktiv und vor allem bewegungsfreudig sein, ebenso vom Unterrichtsalltag ablenken und einen Ausgleich schaffen: Die Idee des Pausenhofs als Bildungsraum war geboren, genauer gesagt: Bildung durch Bewegung.

Wieso ein bewegungsfördernder Pausenhof so wichtig ist 

Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen ist heutzutage ein ernstes Problem. Einen Großteil ihrer Zeit verbringen sie mehr denn je sitzend in Klassenräumen. Doch auch außerschulische Veränderungen, wie die Digitalisierung verschlimmern die Problematik. Smartphone, Tablet und Computer fesseln Kinder und stehlen dadurch die Zeit für aktives Spiel. Abgesehen davon ist langes Strecken laufen mittlerweile ein Relikt aus der Vergangenheit. Stattdessen sind Bus, Zug oder Chauffeur Mama oder Papa die Norm. Folglich sind Schulkinder schwerer und unkoordinierter als noch ihre Eltern im selben Alter. Eine solche Entwicklung ist vor allem im Blick auf die Gesundheit bedenklich: Krankheiten, wie Diabetes oder Bluthochdruck, werden schon in jungen Jahren zum Problem. Zudem begünstigen der sitzende Lebensstil und der ständige Blick auf Bildschirme eine schlechte Haltung. Unter dem Strich ist die Zeit für Schulsport limitiert und fällt im Blick auf die ganze Woche viel zu kurz aus, um wirklich etwas dagegen bewirken zu können.

Wie kann ein kreativ gestalteter Pausenhof helfen?

Zum einen soll Schulhofgestaltung Anstoß zur Bewegung geben. Dabei geht es nicht nur um einen Ausgleich zum Sitzen, sondern um die Vermittlung eines aktiven Lebensstils, idealerweise über den Schulalltag hinaus. Mit einer kreativen, einladenden Gestaltung und sinnvoll geplanten Spielanlagen soll bei Kindern die Lust auf Bewegung geweckt werden, sodass sie auch außerhalb der Schule mit Freude Bewegung suchen. Ferner wird die kognitive Entwicklung der Kinder gefördert. Es ist erwiesen, dass kognitive und körperliche Entwicklung gleichzeitig ablaufen und eng miteinander verknüpft sind. Ein Kind, das sich viel bewegt, ist konzentrierter und erzielt ebenfalls bessere Noten. Dabei ist die Art der Bewegung entscheidend: Wer nur Gewichte stemmt, wird geistig nicht davon profitieren. Kinder, die dagegen spielerisch Herausforderungen meistern, die eigenen motorischen Fähigkeiten einschätzen müssen und sich im freien Spiel kreativ ausleben können, schulen gleichzeitig ihren Verstand. Dazu verbessern sich Geschicklichkeit, Ausdauer, Gleichgewicht und Motorik auf diese Weise wie von selbst.

7 Kriterien für moderne, bewegte Schulhofgestaltung

Attraktivität ist das Stichwort bei einer kreativen Schulhofgestaltung. Asphalt und Beton haben ausgedient, stattdessen soll das Schulgelände einladend wirken und „Schule“ ein Ort sein, an welchen Schülerinnen und Schüler gerne zurückkehren. Wissenschaftlich betrachtet gibt es – nach der Theorie der “7 C’s” des Consortium for Health, Intervention, Learning and Development (CHILD) – 7 Kriterien, die einen idealen Raum zum Bewegen und Spielen für (Klein-)Kinder im Allgemeinen ausmachen. Diese lassen sich aber – unter Einbezug der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen – genauso gut auf Pausenhöfe anwenden.

1. Charakter

Das erste Kriterium dreht sich um die ästhetische Gestaltung des Schulhofs. Dabei ist der gewählte Spielanlagen-Stil lange nicht so wichtig, wie Proportionen und Symmetrien. “Ordnung” vermittelt Menschen ein sicheres Gefühl, dagegen wirkt ein zu komplex und überladen gestalteter Pausenhof unästhetisch.

2. Räumliche Klarheit

Speziell auf dem Schulgelände gilt es, die Übersicht zu behalten. Während viele, große Spielgeräte es Aufsichtspersonen unmöglich machen, Kinder im Blick zu behalten, eignen sich wenige, gezielt eingesetzte und platzierte Spielgeräte besser. Genauso wurde schlecht geplant, wenn Geräte zu Hindernissen auf Wegen werden.

3. Verbindungen

Hier heißt es “der Weg ist das Ziel”. Verbindungswege zwischen Spielbereichen sollten nicht nur Mittel zum Zweck sein, sondern dazu einladen, diese auch wirklich zu nutzen.

4. Abwechslung

Ein Pausenhof braucht mehrere Bereiche, um alle Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu stillen. Der größte Anlagenteil sollte zum Spielen, Bewegen und Austoben dienen. Doch auch Ruhe- und Rückzugsorte dürfen nicht fehlen, genauso wie Treffpunkte zum kommunikativen Austausch. Empfehlenswert sind auch Bereiche, in welchen Kinder Natur erleben und selbst mit natürlichen Materialien experimentieren können.

5. Herausforderungen meistern

Ein Schulhof, der super aussieht, aber keine Herausforderungen bietet, ist nutzlos. Je nachdem um welche Altersgruppe es sich handelt, sollte es Spielgeräte geben, die Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihre eigenen Fähigkeiten auszutesten. Ferner werden so Risikokompetenzen erlernt.

6. Möglichkeiten zur Veränderung

Ob im Sandkasten oder im Schulbeet, Kinder verändern Raum gerne nach ihren Vorstellungen. Infolge ist es gut, wenn dies auf dem Schulhof ermöglicht wird.

7. Umgebungskontext

Bei der Pausenhofgestaltung sollte auch die Umgebung mit einbezogen werden. Ein abgegrenzter Schulhof ist weniger attraktiv, als einer, der Verbindungen nach “draußen” schafft. Dies ist insbesondere für Spielanlagen sinnvoll, die auch von der Öffentlichkeit genutzt werden dürfen.   

Für eine vielseitige, kreative Schulhofgestaltung ist vor allem das Kriterium “Abwechslung” wichtig. Wie genau das aussehen kann, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag „Kreative Pausenhofgestaltung – Vielseitigkeit ist Trumpf!“

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