So wichtig sind Rollenspiele: Kinder spielerisch fördern!

04. September 2019

Sandkuchen backen, als Steinzeitfamilie durch den vermeintlichen Urwald stapfen oder ganz klassisch Vater-Mutter-Kind spielen – wenn Kinder allein oder in der Gruppe in andere Rollen schlüpfen, sprechen Experten nicht von bloßem Spiel, sondern einem wichtigen Baustein im Leben der Kinder, der unabdingbar für die kindliche Entwicklung ist. Doch wie wichtig sind Rollenspiele? Kinder lernen eine Menge aus dem spielerischen Rollentausch. Was genau erfahren Sie im Folgenden.

Was sind Rollenspiele? Wenn Kinder Theater machen!

Im Rollenspiel findet eine vom Kind inszenierte, fiktive Verwandlung statt. Dabei spielt das Kind eine andere Person, ein Tier oder ein Fantasiewesen. Während des Rollenspiels ahmt das Kind aber nicht nach, sondern spielt die neue Rolle aktiv, fühlt sich in diese ein und kann selbst über den Handlungsverlauf entscheiden. Häufig inszenieren Kinder Alltagssituationen, die sie beschäftigen. Doch auch Fantasien finden ihre Umsetzung im Rollenspiel. Im Vater-Mutter-Kind-Spiel können Kinder Erlebnisse aus dem Familienleben verarbeiten, in der Rolle des Arztes oder Kaufmanns Alltagsereignisse nachspielen und aus anderer Sicht erleben. Als Prinzessin oder Ritter können Kinder Fantasien ausleben. Auch Gegenstände und Orte können während des Rollenspiels eine neue Bedeutung erlangen: Ein Kochlöffel wird vielleicht zu einem Degen, ein Stein zum geheimen Schlüssel, eine Bauecke zu einer Burg oder ein Klettergerüst zum Spinnennetz. Kinder können dabei zwischen Realität und Fiktion durchaus unterscheiden, erleben das Spielgeschehen aber dennoch als emotional wahr.

Ab wann beginnen Kinder mit dem Rollenspiel?

Je nach Entwicklungsstand richtet sich auch das Einstiegsalter für Rollenspiele – Kinder ab zwei Jahren können schon „so tun, als ob“. Bei diesen ersten Rollenspielen ahmen die Kinder meist im Einzelspiel Verhaltensweisen oder Handlungen anderer Personen nach. Eine Vorform des Rollenspiels ist das Parallelspiel. Bei dieser Form beobachten und imitieren sich Kinder gegenseitig. Ein Kind spielt z. B. für sich ein Telefonat nach, ein anderes Kind greift die Idee auf, tritt aber nicht mit dem ersten Kind in ein gemeinsames Rollenspiel. Dazu können Kinder mit einer Puppe auch früh Elternhandlungen nachahmen, aber mitunter ohne den kompletten Schritt in die Fiktion zu machen und die Puppe als „Baby“ anzusehen. Gegenstände dienen häufig als Brücke in die fiktive Welt der Rollenspiele – Kinder schaffen es aber mit zunehmendem Alter auch ohne „Schlüssel“ den Schritt in die Fiktion. Ab dem vierten Lebensjahr werden Spielhandlungen dazu komplexer, und der Rollentausch kann als Gruppenhandlung vollzogen werden.

Was bedeuten Rollenspiele für die kindliche Entwicklung?

Das gemeinsame Rollenspiel fördert wichtige Kompetenzen innerhalb der Kindesentwicklung. Im Rollenspiel erhalten Kinder die Möglichkeit Ängste und Krisen zu bewältigen oder Fantasien auszuleben. Genauso können Rollenspiele ein Aggressions-Ventil sein und ein Weg Konflikte zu lösen. Auch Sozialkompetenzen und das Regelbewusstsein werden geschult: In der Gruppe ausgemachte Rollenverteilungen müssen Kinder über die Spieldauer hinweg einhalten oder bei Unzufriedenheit neu verhandeln.
Auch der Umgang mit Sprache profitiert von Rollenspielen: Kinder lernen Sprache unabhängig vom kommunikativen Kontext einzusetzen, zu „dekontextualisieren„. Wenn eine Banane zum Telefon wird, findet eine sprachliche Umdeutung statt. Kinder weisen dem Gegenstand „Banane“ für den Spielverlauf die Bedeutung „Telefon“ zu. Verschiedene Rollen fördern auch unterschiedliches Sprachverhalten und bestimmte Redewendungen. Da die Handlung im Rollenspiel mit mehreren Kindern spontan entsteht, müssen Kinder auch immer wieder aus der Rolle hinaustreten und Absprachen treffen oder direkt im Spiel auf ihre Mitspieler reagieren.

Wenn Kinder im Rollenspiel „Vater-Mutter-Kind“ übermäßig mit ihren fiktiven Kindern schimpfen, sollten Eltern ihr eigenes Verhalten im Familienleben einer Prüfung unterziehen.

Was fördern Rollenspiele bei Kindern genau?

  • Sprachliche Ausdrucksfähigkeit
  • Verarbeitung vom Alltagsgeschehen
  • Umgang mit Ängsten und Konfliktsituationen
  • Kreativität, Phantasie und Vorstellungskraft: Kinder können Ideen austesten und sich immer wieder neue Handlungen, Spielvarianten oder Fantasiewelten ausdenken
  • Sozialverhalten und emotionale Empathie: Kinder lernen, sich im Rollenspiel in andere Menschen hineinzuversetzen, die Ideen anderer zu akzeptieren und den Umgang mit Regeln in der Gruppe
  • Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls und Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Handlungsplanung und Handlungskontrolle

Spielen Kinder besser in Eigenregie oder mit Anleitung?

Um wichtige soziale Kompetenzen im Spiel erlernen zu können, müssen Kinder selbst aktiv werden und in Eigenregie spielen. Schon die Entscheidung für eine Handlung oder die Rollenverteilung innerhalb einer Gruppe schult die sozialen Fähigkeiten der Kinder. Dennoch können Eltern oder Pädagogen das Rollenspiel gezielt unterstützen, ohne dabei dem Kind die Regie abzunehmen. Erwachsene können sich ihre Rolle vom Kind zuteilen lassen und sich im Spiel passiv verhalten. Die Rolle der müden, einschlafenden Mutter, zum Beispiel, kann ein kleiner Impuls für Kinder sein, der ihnen den Weg ins Rollenspiel erleichtert.

Rollenspiele: Kinder zum Spielen anregen

In erster Linie brauchen Kinder einen Ort, der ihnen Platz und Anreize zum Spielen verleiht und ihnen die Möglichkeit gibt, über gemachte Erfahrungen zu reflektieren, diese in Eigenregie nachzuspielen, neu zu inszenieren oder sie in der Gruppe nachzuempfinden. Das können ein Rollenspielraum sein, eine Bauecke oder Häuschen und Spielgeräte im Garten. Des Weiteren können Erwachsene das Rollenspiel mit der Bereitstellung von Requisiten unterstützen: Ein Kiste, gefüllt mit verschiedenen Alltagsgegenständen, wie Hüte, Handtaschen, Schmuck oder Tücher, bietet einen großen Spielanreiz. Auch Themenspielplätze können Grundlage eines Rollenspiels sein. Ein Piratenschiff oder ein Feuerwehrauto stellen ideale Brücken in die kindliche Fantasiewelt dar. Auch ein, über einen längeren Zeitraum behandeltes Thema, oder das Vorlesen einer Geschichte können Rollenspiele aktiv fördern. Den Kindern wird so quasi „Futter“ geliefert, welches sie im freien Spiel aufgreifen können.

Fazit: Rollenspiele sind wesentlich für die Entwicklung von Kindern

Wie in vielen Bereichen der Kindesentwicklung liegt der fördernde Charakter von Rollenspielen in der aktiven Auseinandersetzung von Kindern mit ihrer Umwelt. Sobald sie in Interaktion mit anderen Kindern treten, müssen sie kommunizieren, sich an gewisse Regeln halten, eigene Ideen durchsetzen und andere tolerieren. Deshalb ist gemeinsames Spiel die beste Art und Weise soziale und sprachliche Kompetenzen aufzubauen und das Selbstbewusstsein zu stärken. In der spielerischen Umsetzung von Fantasien erfahren auch Kreativität und Vorstellungskraft Förderung. Im Rollenspiel können Kinder die Person sein, die sie schon immer einmal sein wollten. Auch Ängste und Krisen können im Spiel leichter bewältigt und gelöst werden. Rollenspiele sind für Kinder die ideale Basis um in Eigenregie alle möglichen Lebenssituationen gefahrlos auszutesten.

Kindern in ihrem täglichen Tun freie Hand zu lassen, fällt uns Erwachsenen häufig schwer. Wie wichtig nicht nur die Eigenregie im Rollenspiel, sondern auch ein bisschen Risiko für die Kindesentwicklung ist, erklären wir in unserem Blogbeitrag „Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern“.

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