Giftpflanzen & Spielplatz – eine gefährliche Kombination!

15. April 2019

Giftpflanzen & Spielplatz – das klingt erst mal ziemlich gefährlich! Schließlich sollen Kinder in Sicherheit spielen und toben können, ohne dass Gefahren lauern. Nicht nur bei Spielgeräten und Anlagen ist es wichtig, mögliche Risiken von vornherein auszuschließen – auch bei der Umgebungsgestaltung gibt es vieles zu beachten, wie zum Beispiel die Bepflanzung.

Giftpflanze ist nicht gleich Giftpflanze.

Zunächst einmal gilt: Giftpflanzen gibt es überall! Sie umgeben uns in der freien Natur, in Parks und auch zu Hause als harmlos wirkende Zimmerpflanzen. Giftpflanze ist jedoch nicht gleich Giftpflanze – der Wirkstoffgehalt variiert beispielsweise je nach Standort, Jahreszeit, Temperatur, Pflanzenalter oder -teil. Ganz eindeutig ist aber, dass Kinder durch Giftpflanzen besonders gefährdet sind, da der kindliche Organismus noch nicht in der Lage ist, die Giftstoffe zu verarbeiten. Trotzdem wird es nicht möglich sein, Kinder vollständig vor dem Kontakt mit gering giftigen Pflanzen zu schützen – viele Pädagogen sind auch der Meinung, dass es sinnvoll ist, Kindern lieber Wissen und Verantwortung zu übermitteln, als kaum langfristig schädliche Pflanzen aus dem Bereich des Kindes zu verbannen. Deshalb sollte unbedingt nach wirklich potentiell tödlichen Pflanzen und minder giftigen sortiert werden.

Von leicht bis tödlich giftig: Giftpflanzen, die man kennen sollte.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat im Bundesanzeiger (06.05.2000, Jahrgang 52, Nr. 86, S. 8517) eine Liste der „offiziell giftigen Pflanzen“ veröffentlicht. Diese beinhaltet 49 Giftpflanzen:

Aronstab, Bilsenkraut, Dieffenbachia, Efeu, Eibe, Eisenhut, Engelstrompete, Färberginster, Faulbaum, Feuerbohne, Fingerhut, weißer Germer, Gift-Hahnenfuß, Gift-Lattich, Goldregen, Gränke, Herbstzeitlose, Herkuleskraut, Kaiserkrone, Kartoffelbeeren, Kermesbeere, Kirschlorbeer, Korallenkirsche, Lebensbaum, Maiglöckchen, Meerzwiebel, Nachtschatten, Oleander, Pfaffenhütchen, Rizinus, Sadebaum, gefleckter Schierling, Schlafmohn, Seidelbast, Stechapfel, Stechpalme, Tabak, Tollkirsche, Wandelröschen, Wasserschierling, Bärenklau, Wolfsmilch-Arten, rote und weiße Zaunrübe, Zeitlose.

Eine weitere Veröffentlichung, die DIN 18034, die sich auch dem Thema „Giftpflanzen & Spielplatz“ annimmt, beschränkt sich auf sechs dieser Giftpflanzen, nämlich Seidelbast, Pfaffenhütchen, Stechpalme, Goldregen, Herkulesstatue (Bärenklau) und Ambrosia. Dr. Elke Frenzel, Aufsichtsperson Kommunale Unfallversicherung Bayern, schreibt dazu, dass der Verzicht auf die Verwendung der in der DIN 18034 genannten sechs Pflanzen in der Regel als unproblematisch durchführbar angesehen werden und auch kaum einen Diskussionsgrund bei Planung und Betrieb von Spielplätzen darstellen. Im Bezug auf die längere Liste stellt sich dies etwas anders dar: hier scheiden sich die Geister, ob zum Beispiel die alte Robinie oder die dichte Ligusterhecke wirklich beseitigt werden müssen. Eine individuelle Beurteilung der Risiken ist hier notwendig.

Gesunder Menschenverstand bei der Spielplatz-Bepflanzung!

Es ist also immer auch eine Abwägungssache, welche Bestandspflanzen entfernt werden müssen. Auch das Alter der Kinder spielt bei dieser Entscheidung eine Rolle. Während ältere Kinder in einer weiterführenden Schule kaum der Versuchung erliegen werden, während der großen Pause von der Hecke zu „naschen“, können rote Beeren im Garten einer Kinderkrippe eine echte Gefahr darstellen. Wer sich mit dem Thema „“Giftpflanzen & Spielplatz“ auseinandersetzt, sollte wissen: es gibt Pflanzen, die schon in einer kleinen Dosis tödliche Folgen haben können, zum Beispiel:

  • Eibe: wenige Gramm tödlich (das Fruchtfleisch ist nicht giftig, zerkaute Samen allerdings schon*)
  • Blauer Eisenhut: tödlich giftig, Lähmung durch Hautkontakt
  • Engelstrompete: wenige Gramm der Blüte tödlich
  • Herbstzeitlose: wenige Gramm tödlich
  • Stechapfel: wenige Gramm tödlich
  • Hortensie: enthält Blausäure, hochgiftig
  • Goldregen: 5 – 10 Samen tödlich
  • Tollkirsche: 3-4 Beeren tödlich
  • Wasserschierling: schon in geringen Mengen tödlich

Neue Gefahren – Allergieauslöser auf dem Spielplatz…

Es gibt aber auch Pflanzen, die zwar nicht tödlich giftig sind, jedoch auf oder bei Spielplätzen nicht erwünscht sind. Zum Beispiel die Herkulesstaude, auch Bärenklau genannt, oder Ambrosia.

Riesenbärenklau – ein Schrecken für die Haut!

Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist viel mehr als nur ein nicht heimisches Unkraut oder, wie Botaniker sagen, ein „invasiver Neophyt“ (eindringende, neue Pflanze). Die riesige Pflanze, die aufgrund ihres imposanten Erscheinungsbilds nach Deutschland importiert wurde und bis zu fünf Meter hoch werden kann, löst extreme allergische Reaktionen aus. Wer mit der Pflanze in Kontakt kommt, muss wenige Stunden danach mit Hautreaktionen rechnen, vor allem, wenn die betroffenen Hautstellen dem Sonnenlicht ausgesetzt wurden.
Die ganze Pflanze inklusive der Wurzel enthält photosensibilisierende Furanocumarine, die nach Kontakt und Sonneneinstrahlung sogenannte phototoxische Reaktionen hervorrufen. Bei empfindlichen Erwachsenen und Kindern kann die Reaktion bereits durch ein bloßes Streifen der Blätteroberfläche entstehen.

Riesenbärenklau? Nicht verwechseln mit Echter Engelwurz (Angelica archangelica)! Die echte Egelwurz ist nämlich eine mehrjährige Heil- und Gewürzpflanze, deren Pflanzenteile allesamt verwendet werden können. Allerdings ist der Echte Engelwurz widerum leicht mit dem tödlich giftigen Wasserschierling zu verwechseln. Also, bitte achten Sie unbedingt darauf, alle Pflanzen genaustens zu identifizieren!


Reaktionen auf Bärenklau /
Symptome nach Kontakt mit Bärenklau:

  • Rötungen
  • Hautentzündungen
  • Juckreiz, Hautreizung
  • Ödeme
  • entzündliche, schmerzhafte Blasenbildung
  • großflächige Hautreizungen
  • Quaddelbildung
  • Verbrennungen ersten bis zweiten Grades
  • Fieber
  • Schweißausbrüche
  • Kreislaufschock
  • besonders starke, schlecht heilende Hautschäden

Asthma-Auslöser Ambrosia.

Auch wer sich bisher nicht zu den Allergikern rechnet, könnte in Zukunft allergisch reagieren – zumindest auf eine Pflanze. Die Ambrosia, auch beifußblättriges Traubenkraut oder Beifuß-Ambrosie genannt, kann tränende Augen, Kopfschmerzen und sogar Asthma auslösen. Denn die Pollen sind winzig und gelangen bis tief in die Bronchien. Das Bayrische Gesundheitsministerium für Gesundheit und Pflege schreibt zu Ambrosia, dass stark empfindliche Personen schon ab ein bis drei Pollen pro Kubikmeter Luft allergische Reaktionen zeigen – und ab zehn Pollen pro Kubikmeter Luft wird von einer Mehrzahl Menschen mit Ambrosia-Sensibilisierung über typische Allergiesymptome geklagt. Bei Gräser- oder Birkenpollen kommt es erst bei einer Konzentration von mehr als 50 Pollen zu einer echten Belastung. Wer eine Ambrosia-Pflanze entdeckt, sollte bei deren Entfernung folgendes tun:

Ambrosia Pflanzen entsorgen:

  • Handschuhe tragen und jeglichen Körperkontakt vermeiden
  • in der Blütezeit (August bis Dezember) Mundschutz tragen
  • unbedingt auch die Wurzeln der Pflanzen entfernen
  • Pflanze in einem geschlossenen Beutel im Hausmüll entsorgen
  • auf keinen Fall in den Kompost oder Biomüll geben
  • Fundstellen beobachten, ob neue Pflanzen entstehen
  • Ambrosiafunde melden: Ambrosia Meldestellen

Ein weiterer Allergie-Auslöser, der jedoch keine Pflanze ist – sich aber auf einer befindet: Der Eichenprozessionsspinner: die neue Gefahr auf Spielplätzen und Pausenhöfen. Erfahren Sie mehr über die Raupen des unscheinbaren Falters, der mit seinen hochallergenen Brennhärchen für viel Aufregung sorgt.

Giftpflanzen & Spielplatz: Eine nützliche App für den Notfall.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt neben zahlreichen Veröffentlichungen auch eine nützliche App zur Verfügung „BfR-Vergiftungsunfälle bei Kindern„, die neben Vergiftungen im Haushalt und durch Medikamente auch die Kategorie „Vergiftungen durch Pflanzen“ abbildet. Hier gibt es eine Übersicht der Pflanzen mit Abbildung, das Vergiftungsbild, Erste-Hilfe-Empfehlungen und die Möglichkeit, direkt über die App den Giftnotruf zu erreichen.

Dornen und Brennnesseln? Die gehören zum Alltag!

Vielleicht setzen wir uns für diese Aussage in die Nesseln – aber Brennnesseln gehören zum Alltag, genauso wie Dornen und Disteln! Ganz klar, eine Dornenhecke hat dort, wo Kinder stürzen können, zum Beispiel in Laufbereichen, nichts verloren. Und auch hohe Brennnesseln, die Durchgänge einschränken, machen keinen Spaß. Aber Kinder sollten lernen dürfen, dass es „wehrhafte“ Pflanzen gibt. Wenn am Rande eines Spielplatzes einige Brennnesseln oder Heckenrosen stehen oder sich eine Distel in der Wiese verirrt, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Denn Risiken sind für die Entwicklung eines jeden Kindes wichtig. Warum? Kinder brauchen Freiräume und Herausforderungen, an welchen sie wachsen – nur so lässt sich eine gesunde Selbstwahrnehmung bei Kindern fördern.

*Vielen Dank an Frau C. B. fürs aufmerksame Lesen! 🙂

Bild: romrodinka / Essentials Kollektion / istockphoto.com

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